Der Karateanzug ("Karategi")

Meister Funakoshi demonstriert Kumite (ca. 1935)

Warum trägt man beim Üben des Karate eigentlich einen weißen Anzug bestehend aus einer Klappjacke (Uwagi), zusammengehalten von einem Gürtel (Obi) und einer Hose (Zubon)?

Die Gesamtheit des Übungsanzugs bezeichnet man als allgemein als "Keikogi", den Karateanzug speziell als "Karategi". Oft findet mach auch nur die Bezeichnung "Gi", dies ist jedoch deutsche Umgangssprache und wird in Japan nicht verwendet.

 

Ursprünglich gab es keine allgemeinverbindliche Übungskleidung, auf Okinawa trainierte man in normaler Alltagskleidung, angesichts der dort herrschenden tropischen Temperaturen auch oft nur in Unterwäsche.

 

Professor Jigoro Kano, der Begründer des Judo und Erfinder des Keikogi

Die standartisierte Übungsbekleidung war ursprünglich von Professor Jigoro Kano (1860-1938) für die von ihm entwickelte Kunst des Judo aus der damaligen japanischen Arbeitsbekleidung ("Samue" oder "Samugi") entwickelt worden, welche auch heutzutage noch von traditionellen Kunsthandwerkern oder buddhistischen Mönchen bei der Verrichtung von Tempelarbeiten getragen wird.

Meister Funakoshi hatte den Judogi zunächst für das Üben des Karate übernommen, schließlich jedoch an die spezifischen Erfordernisse des Karate angepasst.

Auch zu den Lebzeiten von Meister Kano und Meister Funakoshi zeichnete sich die japanische Gesellschaft durch ein ausgeprägtes Klassendenken mit verschiedenartigen streng einzuhaltenden Vorschriften hinsichtlich der Bekleidung aus.

Die Etablierung einer einheitlichen Übungsbekleidung kam einer kleinen sozialen Revolution gleich: nicht die soziale Herkunft sondern die durch den Gürtel zu erkennende Graduierung als Ausdruck der persönlichen Erfahrung in der Kampfkunst sollten die Stellung des einzelnden in der Hierarchie der Übenden bestimmen.

Hierin liegt der tiefere Sinn der weißen Einheitsbekleidung.

Auf die heutige Zeit übertragen bedeutet dies, daß im Dojo weder die soziale noch die ethnische Herkunft der Übenden eine Rolle spielt, sondern allein die Erfahrung auf dem Weg des Karate.

(Der Vollständigkeit halber ist anzumerken, daß ein Sensei sich in manchen Trainingseinheiten für einen schwarzen Karategi entscheidet, um den Schülern Techniken in der Partnerübung eindrücklicher demonstrieren zu können.)

Shotokan Karate in Hannover

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