Itosu und Azato - Die Lehrer des Großmeisters

Anko Azato (1828-1906). Leider ist uns kein offizielles Bild von Meister Azato überliefert. Die Zeichnung wurde nach der Beschreibung Meister Funakoshis angefertigt

Anko Azato

Anko Azato (1828-1906) war ein okinawanischer Karatemeister und der erste Lehrer von Meister Gichin Funakoshi. In japanischer Lesart wird der Vorname „Yasutsune“ ausgesprochen. Azato wurde als Sohn reicher Landadeliger geboren und war neben seinen Fähigkeiten in Karate und Schwertkampf berühmt für seine Kenntnisse in Literatur und Politik. Der Reichtum seiner Familie erlaubte es ihm, sich dem Studium der Kampfkünste frei von Geldsorgen zu widmen. Meister Funakoshi war als Kind mit dem Sohn Azatos befreundet und wurde von Azato schließlich als Schüler angenommen. Meister Azato scheint nur wenige Schüler ausgebildet zu haben, seinen eigenen Sohn hatte er zu Meister Itosu, mit dem er gut befreundet war, geschickt, da er es als schwierig empfand „mit den eigenen Kindern streng genug zu sein, um sie zu im Karate auszubilden“.

Meister Azato war Minister des Königs von Okinawa. Mit dem Ende der Unabhängigkeit Okinawas 1879 begleitete er den König ins Exil nach Tokio und reiste zwischen Okinawa und Tokio hin und her.  Laut Funakoshi war er mit einflussreichen Persönlichkeiten wie dem ersten japanischen Premierminister Ito Hirobumi befreundet.

Während Meister Itosu durch hartes Training die Fähigkeit erworben hatte, gegnerische Angriffe an sich abprallen zu lassen, war es für Azatos Stil maßgeblich, dem gegnerischen Angriff auszuweichen (Tai sabaki), um dann mit einem einzigen entscheidenden Gegenschlag zu kontern.

Anko Azato starb im Jahr 1906 im Alter von 78 Jahren. Seine Kampfkunst lebt durch Meister Funakoshi und dessen Schüler im Shotokan-Karate weiter.

Zitate von Meister Azato:

„Betrachte die Arme und Beine des Menschen als Schwerter.“

(Kommentar: Wird man angegriffen, so sollte man dem Angriff durch Tai sabaki ausweichen, da ein Treffer auch mit der bloßen Hand wie ein Schwerthieb sehr gefährlich sein kann. Umgekehrt soll man sich der zerstörerischen Wirkung der eigenen Techniken bewußt sein und diese nicht leichtfertig einsetzen. Auf technischer Ebene drückt das Zitat aus, das unbewaffnete Angriffe genauso wie Schwerttechniken geführt werden (z.B. Shuto uke =Handkantenschwert).

„Das Ziel der Kampfkünste liegt nicht nur darin, einen starken und gesunden Körper auszubilden, sondern auch den Geist zu kultivieren. Die Kampfkünste versuchen, Körper und Charakter zu stärken, und zu innerer Harmonie zu führen. Sie können dies jedoch nicht garantieren.“

 

 

Anko Itosu (1830-1915). Zeichnung nach einer alten Photographie welche den Meister im Alter von etwa 80 Jahren zeigt.

Anko Itosu (1830-1915)

Meister Itosu war der zweite Lehrer von Gichin Funakoshi. Mit Meister Azato war er anscheinend gut befreundet und zufällig trugen beide Männer den gleichen Vornamen. Schon in jungen Jahren hatte er sich überragende Kenntnisse in den Kampkünsten sowie in Literatur und Kalligraphie erworben, so daß er als Sekretär für den König Okinawas arbeitete.

Mit dem Ende des Königreichs Okinawa 1879 wandte sich Itosu der Leibeserziehung der Schuljugend zu. Die Entwicklung der 5 Heian-Kata (okinawanisch „Pinan“) geht auf ihn zurück.

Funakoshi schreibt in seiner Autobiographie, Itosu sei außergewöhnlich stark gewesen, Schläge habe er allein durch das Anspannen der Rumpfmuskulatur von sich abprallen lassen können und mit der bloßen Kraft seiner Hände habe er dicke Bambusstäbe zerquetschen können.

Itosu Anko verstarb im Jahr 1915 im 85. Lebensjahr. Im Laufe seines langen Lebens unterrichtete er neben Meister Funakoshi verschiedene weitere Schüler, welche ihrerseits Großmeister und Stilgründer wurden, und die Kunst des Karate von Okinawa aus in die ganze Welt trugen.

Shotokan Karate in Hannover

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